Gefahren durch Ultra-Feinstaub auf Flugzeugabgasen

Moderne Jets qualmen nicht mehr. Trotzdem entstehen beim Betrieb der Düsentriebwerke gefährliche Abgase: nicht mehr schwarzer Qualm sondern ultrafeiner, unsichtbarer Feinstaub.

Das hat der Mainzer Ingenieur Wolfgang Schwämmlein in einem gut besuchten Vortrag im Ratssaal der Verbandsgemeinde Nieder-Olm eindrucksvoll zeigen können.

Schwämmlein und seine Mitstreiter von der Initiative gegen Fluglärm Mainz haben aus Spendenmitteln vor gut einem Jahr ein Messgerät angeschafft, das die Belastung von Luft durch die ultrafeinen Feinstaub-Partikel nachweisen kann. Seit dem messen sie an unterschiedlichen Stellen rund um den Frankfurter Flughafen, mit beunruhigenden Ergebnissen. Die Belastung wird durch Zählung der Partikel in Kubikmetern Luft dokumentiert.

Ultrafeiner Feinstaub wird mit den Wirbelschleppen der Düsenjets Richtung Boden gedrückt. Fliegen mehrere Flugzeuge dicht hintereinander kumuliert die Belastung durch Ultrafeinstäube, bevor der Wind sie weiträumig verteilen kann. Anders als bei Straßen führen Flugzeugemissionen noch in relativ großer Entfernung vom Flughafen zu einer Vervielfachung der Partikelkonzentrationen. Für den Menschen sind die Ultrafeinstäube gefährlich, da die Partikel so klein sind, dass sie direkt durch die Lunge in Blutbahn und bis ins Gehirn vordringen können. Folgen können, so Schwämmlein, Lungenkrebs, Herzinfarkt und Schlaganfall sein.

Besonders aufschlussreich waren Messungen, die am 6. Juni 2015 auf der Frankenhöhe in Mainz-Hechtsheim bei Windstille bzw. leichtem Ostwind durchgeführt wurden. Am frühen Vormittag wurden bei Landeanflügen zwischen 8.000 und 13.000 Feinstaubpartikel pro Kubikmeter Luft gezählt. In einer Ruhepause, als die Anflüge auf West gedreht wurden, ging die Belastung auf 4.000 Partikel zurück. Als die Südumfliegung dann in Betrieb ging, stieg die Ultrafeinstaub-Partikelzahl auf bis zu 17.000 an. Damit wurde auch gezeigt, dass die Partikelzahl beim Start und beim Steigflug unter Volllast nochmals höher ist.

Für die Verbandsgemeinde Nieder-Olm vermutet Schwämmlein eine eher geringere Belastung. Messungen bei seinem Besuch ergaben Werte von 2.000 bis 3.000 Partikel, die für den ländlichen Raum typisch sind. Die Überflughöhen im Landeanflug und der Südumfliegung ließen vermuten, dass die vorherrschenden Westwinde die ultrafeinen Partikel aus der Verbandsgemeinde überwiegend heraus wehen, bevor sie den Boden erreichen.

Joachim Alt von der Initiative gegen Fluglärm forderte denn auch ein umfangreiches Messprogramm für Flugzeugabgase rund um den Frankfurter Flughafen. Notwendig sei aber vor allem eine Vermeidung und Verlagerung von Flugverkehr, damit weniger Abgase entstehen, unabhängig davon wo sie gemessen werden. Vermeidung und Verlagerung sei auch wichtig, um die Klimaziele, die sich die Bundesregierung selbst gesetzt habe, einhalten zu können.

Ausführliche Hintergründe zum Thema Ultrafeinstaub liefert eine WDR-Dokumentation, die bei Google mit den Suchwörtern „Unsichtbar und tödlich? Die tückischen Gefahren des Feinstaubes“ gefunden werden kann. Joachim Alt und Wolfgang Schwämmlein haben ihre Erkenntnisse in dem Bericht „FRAport – die dominiernde Feinstaubpartikelquelle im Rhein-Main-Gebiet“ zusammengefasst. Bericht und Vortrag (pdf, 13Mb) von Wolfgang Schwämmlein können beim Fluglärmbeauftragten Bernd-Olaf Hagedorn, , Tel: 06136/69-238, angefordert werden.

WDR-Bericht

BOH


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