Polnische Flagge. Foto: nazlisart | Fotolia.com

Bürgerreise nach Głuchołazy

Fast 50 Bürgerinnen und Bürger der Verbandsgemeinde Nieder-Olm reisten für einige Tage zu einem Freundschaftsbesuch in die Partnergemeinde Głuchołazy im Kreis Nysa. Die Erlebnisse der Reise zusammengefasst, hat Sabine Urbas, zuständige Mitarbeiterin für Partnterschaft bei der Verbandsgemeinde Nieder-Olm.

Schon bei der Begrüßung durch den polnischen Bürgermeister Edward Szupryczyński und den Ratsvorsitzenden Stanislaw Szul wird deutlich, welche engen freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Familien in den vergangenen 21 Jahren entstanden sind. Da Bürgermeister Spiegler dieses Jahr nicht dabei sein kann, begrüßt Beigeordneter Michael Moschner die polnischen Gastgeber und bringt seine Freude über die herzliche Aufnahme zum Ausdruck. Lisa Kahmann, Sprecherin des Parterschaftskomitees schließt sich diesem Dank an. Dieses Mal sind viele neue Gäste aus der Verbandsgemeinde Nieder-Olm dabei. Sie freuen sich sehr darüber, wie liebevoll und herzlich sie willkommen geheißen und aufgenommen werden.

von links: Bürgermeister Szupryczynski, Ratsvorsitzender Szul, Lucyna Bohlender, Lisa Kahmann und Beigeordneter Michael Moschner
von links: Bürgermeister Szupryczynski, Ratsvorsitzender Szul, Lucyna Bohlender, Lisa Kahmann und Beigeordneter Michael Moschner

Am Freitag geht die Fahrt in das 130 km entfernte Zabrze (früher Hindenburg). Die Stadt liegt nahe der Großstadt Kattowitz im oberschlesischen Kohlerevier. Hier steht die Besichtigung des Bergwerks "Guido" auf dem Programm.

Nach einer Fahrt zur untersten Sohle, die sich 320 m unter der Erdoberfläche erstreckt, erzählt der fließend deutsch sprechende Guide Mateusz von dem brutal harten Job der Bergleute, die 7 Arbeitstage à 12 Stunden pro Woche zu absolvieren hatten. Mateusz zeigt auch beim Gang durch das kilometerlange unterirdische Wegenetz den technischen Fortschritt. Förderbänder und Zugmaschinen, die die Pferde ersetzten, monströse Maschinen, die sich unter ohrenbetäubendem Getöse in die Kohleschichten fressen.

Im Bergwerk Guido. Foto: Frank Hoffbauer
Im Bergwerk "Guido". Foto: Frank Hoffbauer

Wir dürfen ein kleines Wegstück in einer geradezu komfortablen Hängebahn zurücklegen. Die Arbeiter durften das in der Regel nicht. Wenn sie sich hundemüde den weiten Weg zurück zum Förderschacht schleppten, setzten oder legten sich viele - verbotenerweise - auf die Förderbänder für die Kohle; und das war gefährlich: Unter Tage bestand alle Technik aus gnadenloser Grobmechanik, und an den Ecken und Kanten der Transportbänder verlor mancher Passagier Finger, Hand, Arm oder sogar ein Bein. Von noch schwereren Unfällen ganz zu schweigen.

Auf der Rückfahrt nach Głuchołazy machen wir einen Stopp im Restaurant Warownia Pszczyńskich Rycerzy in einem Nachbau einer mittelalterlichen Burg bei Pszczyna (füher Pless) und nehmen die von Rittern und Burgfräulein standesgemäß gereichten vortrefflichen Speisen zu uns. Aufgelockert wird die Speisenfolge von dargebrachten Tänzen und verschiedenen Spielen.

Am Samstag haben die Gäste die freie Auswahl zwischen einer Wanderung auf die Bischofskoppe, den Hausberg von Głuchołazy oder individuelle Programme der Gastgeber. Einige Gastgeber schließen sich zusammen und führen ihre Gäste durch das 20 km entfernte Nysa. Dort wird das "Carolinum", ein im 17. Jahrhundert gegründetes Jesuiten-Kolleg, die "Bastion", eine Befestigungsanlage aus dem 17. Jahrhundert und die neugotische Basilika St. Jakobus und Agnes besichtigt.

Nach einem kurzen Imbiss geht es an Bord für eine Bootsfahrt über den Jezioro Nyskie, den Stausee von Nysa. Der See wurde 1971 durch die Aufstauung der Neisse künstlich angelegt, um die immer wieder aus den tschechischen Bergen herabstürzenden Wassermassen zu bändigen. Die Bewohner von drei Dörfern mussten dafür umgesiedelt werden. Heute hat sich die über 2000 ha große Wasserfläche zu einem beliebten Naherholungsgebiet entwickelt. Und ein Wasserkraftwerk gibt es auch. Viel sauberer als die Kohleverfeuerung.

Die kleine Gruppe der "Bischofskoppe-Wanderer" bewältigt den zackigen Aufstieg unter kundiger Führung von Jerzy Chmiel, einem Lehrer und Wanderführer aus Głuchołazy. Der Weg führt zwischen Tschechien und Polen bis zur Spitze der Kaiser-Franz-Josef-Warte auf 890 m Höhe. Eigentlich bietet sich von hier eine grandiose Aussicht, leider wird diese heute durch Nebel und Regen verhindert.

Tschechische und polnische Wegweiser auf der Bischofskoppe. Foto: Friedel Boller
Tschechische und polnische Wegweiser auf der Bischofskoppe. Foto: Friedel Boller

Durch die Vermittlung von Sabine Urbas erhalten ein Reiseteilnehmer und seine Schwester die Gelegenheit, in ihr Geburtshaus in Głuchołazy zu gehen, in dem heute die Kunstschule untergebracht ist. Lucyna Bohlender leistete auch hier, wie übrigens während des gesamten Besuches, wertvolle Dolmetscherarbeit.

Bei dieser Gelegenheit wurden auch gut erhaltene Musikinstrumente und Bastelmaterial für eine soziale Einrichtung übergeben.

Konferenz am Rande des Festabends (von links mit Bürgermeister Szupryczynski: Lucyna Bohlender, Sabine Urbas und Lisa Kahmann vom Partnerschaftskomitee). Foto: Frank Hoffbauer
Konferenz am Rande des Festabends (von links mit Bürgermeister Szupryczynski: Lucyna Bohlender, Sabine Urbas und Lisa Kahmann vom Partnerschaftskomitee). Foto: Frank Hoffbauer

Den Abschluss der Reise bildet der traditionelle Festabend, der wieder im schönen Hotel Aspen, allerdings im Freien unter Zeltdächern, stattfindet.

Trotz äußerst ungemütlichem Wetter steigt die Stimmung bei gutem Essen, herzlichen Menschen und dem ein oder anderen Gläschen Wodka an.

Beim Austausch der Gastgeschenke wird auch den Organisatoren im Hintergrund gedankt. In den kurzen Reden von Bürgermeister Szupryczinski, dem Ratsvorsitzenden Szul, dem Beigeordneten Moschner und der Sprecherin des Partnerschaftskomitees Lisa Kahmann wird deutlich, dass in den Partnerschaften, wie zwischen Głuchołazy und Nieder-Olm, Europa tatsächlich gelebt wird.

Beim Abschlussfest. Foto: Frank Hoffbauer
Beim Abschlussfest. Foto: Frank Hoffbauer

Text: Sabine Urbas
Titelfoto: nazlisart | Fotolia.com
12. Juli 2017

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