Kommune inklusiv Verbandsgemeinde Nieder-Olm

Verbandsgemeinde Nieder-Olm auf dem Weg zur inklusiven Kommune

Die Verbandsgemeinde Nieder-Olm ist eine von bundesweit fünf Gemeinden, die zusammen mit der Aktion Mensch Inklusion vor Ort umsetzen wird. Im Rahmen des Projektes "Kommune Inklusiv Verbandsgemeinde Nieder-Olm" soll in den kommenden fünf Jahren der Sozialraum zunehmend inklusiv ausgerichtet werden. Ziel ist es, dass alle Menschen mit und ohne Behinderung an den gesellschaftlichen Prozessen teilhaben können.

"Unser Verständnis von Inklusion ist dabei bewusst sehr breit gefasst und bezieht sich keineswegs nur auf Menschen mit Behinderungen", sagt Ralph Spiegler, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Nieder-Olm. Auch andere Personengruppen, die es oftmals schwer haben, Anschluss an die Gesellschaft zu finden, sollen berücksichtigt werden. Dazu gehören zum Beispiel Seniorinnen und Senioren, die über kognitive oder motorische Einschränkungen verfügen, aber auch Geflüchtete, bei denen vordergründig Sprach- und kulturelle Barrieren vorhanden sind.

Gracia Schade, Projektleiterin, wird die Netzwerkkoordinierung übernehmen. Sie legt großen Wert darauf, dass bei der Verwirklichung des Projektes auf eine gesamtgesellschaftliche Inklusion geachtet wird. Dies bedeutet, dass "jedes Mitglied der Gesellschaft gleichberechtigt ist und zwar ohne Benachteiligung aus ethnischen oder religiösen Gründen, aufgrund einer Behinderung, des Geschlechts oder der sexuellen Identität". Erreicht werden soll dies laut Schade durch die Umsetzung von konkreten Maßnahmen in den vier Grundpfeilern Bildung, Arbeit, Gesundheit und Freizeit. An dem Prozess beteiligt sind bereits verschiedene Institutionen und weitere können noch hinzukommen.

Projektleiterin Gracia Schade, Bürgermeister Ralph Spiegler und Stefan Sandner von der Aktion Mensch.Projektleiterin Gracia Schade, Bürgermeister Ralph Spiegler und Stefan Sandner von der Aktion Mensch.

Gerade der Bildung, die vielfach als Schlüssel zu gesellschaftlicher Akzeptanz gilt, wird ein hoher Stellenwert zugewiesen. In einem ersten Schritt wird daher in Nieder-Olm ein Bildungstreff eingerichtet, in dem Rechnen, Schreiben und Lesen mittels Lernsoftware, Gesellschaftsspielen oder Übungsaufgaben trainiert werden können.

Im Bereich "Arbeit" möchte man sich u.a. auf die Arbeitsmarktförderung konzentrieren, um entsprechende Arbeitsplatzangebote zu schaffen. Arbeitgeber sollen in diesem Schritt umfassend über die Bedarfe und möglichen Förderungen informiert, beraten und geschult werden.

Auch der Freizeitbereich soll keineswegs zu kurz kommen, spielt sich doch gerade dort ein Großteil gesellschaftlichen Lebens ab. Menschen mit einer so genannten geistigen Behinderung, die in einer Wohnstätte leben, soll gemeinsam mit bereitgestellten Assistentinnen und Assistenten die Nutzung von vorhandenen Angeboten ermöglicht werden. Auch immobile Seniorinnen und Senioren, sollen die Möglichkeit haben, an aufsuchenden Freizeitangeboten teilzunehmen.

Vierte Säule ist die Gesundheit. Hier sollen schriftliche Informationsmaterialien über präventive Gesundheitsangebote (z.B. Impfungen) in einfache und leichte Sprache übersetzt werden, damit sie jeder verstehen kann. Eine entsprechend Verbreitung über Ärzte und Apotheken ist derzeit angedacht.

"Wir sind sehr froh, dass wir uns mit unserer Bewerbung unter rund 130 Mitbewerbern durchsetzen konnten", so Bürgermeister Spiegler, "und nun die Förderung der Aktion Mensch erhalten. Hierfür möchte ich mich recht herzlich bedanken."

Die Projektkosten liegen bei rund 440.000 EUR, von denen 375.000 EUR durch die Aktion Mensch getragen werden. Je 25.000 EUR teilen sich die Landesantidiskriminierungsstelle und die Verbandsgemeinde Nieder-Olm. Der Restbetrag wird durch Spenden getragen.

"Am Ende hoffen wir, dass sich durch unser Projekt auch ein stärkeres Bewusstsein in der Gesellschaft für die Inklusion bildet", so Spiegler. Das Dabeisein eines jeden Einzelnen müsse zur Normalität werden. "Wenn wir das erreicht haben, dann wird sich die ganze Arbeit und das Engagement der zahlreichen Helfer gelohnt haben."

18. Januar 2018

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