Richtig Idyllisch: Klein-Winternheim von Richtung Ober-Olm betrachtet.

Ortsporträt: Klein-Winternheim - Mitten im Ort sind kleine Oasen

Der Mittelpunkt von Klein-Winternheim ist weiterhin die Hauptstraße, die schon seit Jahrhunderten das Zentrum ist. Auch wenn sie eigentlich schon lange nicht mehr das hält, was ihr Name verspricht.

Denn der meiste Verkehr, die Verbindung von einem Ortsteil zum anderen, der Fahrweg der Busse: all’ diese Funktionen hat seit vielen Jahrzehnten die Pariser Straße übernommen. Als gut ausgebaute Landesstraße ist sie geradezu dafür prädestiniert. Ein Spaziergang durchs Dorf startet deshalb auch am besten hier: Am Andreasplatz! Hier ist das Rathaus mit Bürgercafé, Bücherei und einem Versammlungssaal, hier ist das Heimatmuseum, hier sind evangelische und katholische Kirche, hier ist ein Platz als Treffpunkt und geeignet für Feste. Hier ist das Zentrum! Zum Jahrtausendwechsel neu gestaltet und bei der 900-Jahr-Feier der Gemeinde seiner Bestimmung übergeben. Seitdem ist hier mächtig was los in dem multifunktionalen dörflichen Raum: Dorffeste, Gottesdienste, Open-Air-Kino, Konzerte aller Art.

Edmund Josts Lieblingsplatz ist dort, wo das Klein-Winternheimer Leben spielt: am Andreasplatz.Doch zuvor darf ein Blick ins Heimatmuseum nicht fehlen. In der ehemaligen Lehrerwohnung des alten Schulhauses ist zum Beispiel eine alte Schusterwerkstatt aufgebaut. Und Teile einer Metzgerei sowie einer Schmiede. Dazu gibt es viele Bilder von AltKlein-Winternheim: „1960 hatte die Gemeinde noch rund 1000 Einwohner“, sagt der gut informierte Edmund Jost, der im Geschichtsverein mitarbeitet. Heute zählt das Einwohnermeldeamt rund 4000. Eine enorme Steigerung in den vergangenen Jahrzehnten, wozu sicherlich einerseits die gute Verkehrsanbindung beigetragen hat, mit der direkten Autobahnzufahrt, dem schnellen Weg nach Mainz, der Zuganbindung. Andererseits aber auch die Gewerbegebiete in der Raiffeisenstraße und Am Berg. Dort haben sich einige attraktive Firmen niedergelassen – inklusive interessanter Arbeitsplätze.

Römische Heiligtümer

Aber zurück in den alten Ortskern: Die Häuser dort sind meist im 18. und 19. Jahrhundert erbaut. Oder zumindest in der Kubatur ihrer historischen Vorläufer vorhanden – wie zum Beispiel in der Gegend hinter der katholischen Kirche, wo viele kleinere Häuser und Grundstücke von der Zeit herrühren, als dort im späten Mittelalter ein kleines Frauenkloster angesiedelt war. Überhaupt haben schon sehr früh Menschen in KleinWinternheim gesiedelt: Bodenfunde weisen darauf hin, dass es schon lange vor Christus Klein-Winternheimer gab. Zudem weisen römische Fundamentreste auf eine römische Siedlung hin und mehrere Votivgaben sprechen für mehrere kleinere Heiligtümer in der Nähe. Die Franken waren ab dem 5. Jahrhundert dort, der Name Winternheim tauchte erstmals um 1100 im Mainzer Domnekrolog auf.

Der Andreasplatz in Klein-Winternheim.Weiter geht´s vom Andreasplatz und der Skulptur des heiligen Andreas mit aufmerksamen Blick die Hauptstraße entlang, die Wassergasse und die Stielgasse. Man erkennt noch einige Ecken und Strukturen, die aus der Vergangenheit überlebt haben. Dazu gehören zum Beispiel die vielen Stichstraßen, die vom geraden Weg abgehen und in denen teilweise noch mehrere Hausnummern untergebracht sind. „Da ist es stellenweise richtig idyllisch“, sagt Jost. Und damit hat er recht: Ein Blick in die Seitengässchen lohnt allemal, verbirgt sich dort doch wirklich viel Überraschendes an Bausubstanz und Natur.

Zurück auf der Haupt-Hauptstraße lohnt ein kurzer Halt auf dem Muizoner Platz. Hier läuft ein kleiner Brunnen, der daran erinnert, dass an dieser Stelle in früheren Zeiten Wasser vom Quellborn herausgekommen sein soll – also dort her, wo sich heute die gleichnamigen Neubaugebiete befinden. Der Muizoner Platz war viele Jahre lang der zentrale Platz in der Gemeinde, auf dem etwa auch die Kerb gefeiert wurde. Mit dem Andreasplatz rückte die zentrale Funktion in Richtung Kirche. Und auch die Kerb wird mittlerweile nicht mehr in der Ortsmitte gefeiert: „Die großen Fahrgeschäfte wollten nicht mehr kommen“, sagt Jost. Alles zu eng. Und bevor die Kerb gänzlich unattraktiv wird, hat man beschlossen, das Zentrum des Festes ins ortsnahe Gewerbegebiet „Raiffeisenstraße“ zu verlegen. Dort machte die Gemeinde aus der Not eine Tugend und gestaltete einen aufgegebenen Einkaufsmarkt für eigene Zwecke um. Im einen Teil ist das Klanghaus untergebracht, die Heimat des Musikvereins. Im anderen Teil gibt es das „Lebendige Museum“, in dem der Geschichtsverein einige seiner Stücke ausgestellt hat. Außerdem ist der große Saal nutzbar für Feiern, kleinere Theateraufführungen, Empfänge, Vorträge, Vereinsfeste. Und eben für die Kerb, denn der große Parkplatz vorm Gebäude eignet sich hervorragend für die Fahrgeschäfte.

Die Bürgermeisterei von Klein-Winternheim.Vom Muizoner Platz aus geht der Spaziergang weiter die Hauptstraße entlang, vorbei an alten großen Bauernhöfen, die vom alten Reichtum der Gemeinde zeugen. Dabei liegt auch das Haus Ritzinger auf dem Weg, ein altes Wohnhaus, das die katholische Gemeinde zu einem kleinen Zentrum umgebaut hat. Hier finden Ausstellungen statt, Basare und seit einigen Jahren der beliebte Sommerferienausschank. Immer donnerstagsabends. Wer in Klein-Winternheim und seine Bürgerschaft eintauchen will: Bitte sehr! Danach geht es dann aber weiter zum Bandweidenweg, wo „früher das Dorf zu Ende war“, wie Edmund Jost sagt. Heute geht es den Berg hinauf ins Neubaugebiet links zum Sportplatz und zur Haybachhalle.Außerdem sind dort der katholische Kindergarten und die Grundschule platziert.

Hier lohnt es sich übrigens einen kleinen Schlenker zu machen. Vor der Haybachhalle links rein, in Richtung Kindergarten, diesen aber links liegen lassen und den Weg weitergehen – mitten ins Grüne, wo eine richtige kleine Oase wartet. Herrlich! Es gibt noch einen weiteren Platz in Klein-Winternheim. Den Elxlebener Platz. Der liegt an der Pariser Straße direkt neben der Bushaltestelle in Fahrtrichtung Mainz und bietet einen guten Blick auf eine weitere Halle der Gemeinde, die Radsporthalle.

Rundweg mit tollem Panorama

Was bleibt noch? Nun, wen es in die Klein-Winternheimer Gemarkung zieht, dem sei der Panoramaweg empfohlen. Durch die Weinberge geht der Rundweg zunächst in Richtung Ebersheim, bietet von den Höhen einen wunderbaren Ausblick auf Dorf und Selztal – unter anderem von einer Landschaftsschaukel aus, und führt dann wieder zurück ins Dorf. Ausgangspunkt ist an der Kreuzstraße, 3,8 Kilometer lang ist der Weg. Na dann: Viel Spaß! 

KLEIN-WINTERNHEIM
Fast 4000 Einwohner hat Klein-Winternheim. Die Gemarkung ist insgesamt 551 Hektar groß, davon sind 48 Hektar Weinbaufläche in der Lage Geiershölle. Es gibt 26 Vereine und mit Muizon in Frankreich und Elxleben in Thüringen gleich zwei Partnergemeinden. 

Bildunterschriften (von oben nach unten):
1. Richtig Idyllisch: Klein-Winternheim von Richtung Ober-Olm betrachtet.
2. Edmund Josts Lieblingsplatz ist dort, wo das Klein-Winternheimer Leben spielt: am Andreasplatz.
3.  Der Andreasplatz in Klein-Winternheim.
4. Die Bürgermeisterei von Klein-Winternheim.

Aus der Broschüre "Mitten in Rheinhessen". Kostenlos erhältlich im Rathaus der Verbandsgemeinde Nieder-Olm oder online.
Text: Bardo Faust
29. Januar 2019

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