30 Jahre Partnerschaft neu besiegelt: VG Nieder-Olm und Glucholazy feiern Jubiläum und erneuern ihr Bündnis


Bereits am frühen Donnerstagmorgen um 06:00 Uhr startete die Reisegruppe am Parkplatz des Rheinhessen-Bades in Nieder-Olm. Vor den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, darunter unter anderem Bürgermeister Ralph Spiegler sowie die Erste Beigeordnete der VG Nieder-Olm, Doris Leininger-Rill, lagen 855 Kilometer und viele Stunden Busfahrt. Dass die Reise in die polnische Partnergemeinde an diesem Wochenende unter mehreren Gesichtspunkten unter einem guten Stern stand, zeigte sich bereits bei der Anreise. So kam der Reisegruppe nicht ein einziger Stau und keine nennenswerte Verzögerung in die Quere. Wer dann doch einmal die Beine vertreten musste, freute sich über diverse Pausen, darunter eine ausgedehnte rheinhessische Frühstücksrast mit Weck, Worscht und Woi.

Als der Bus dann am frühen Abend gegen 18:30 Uhr schließlich in Głuchołazy eintraf, mischte sich die Vorfreude mit nachdenklichen Momenten. Schon bei der Anfahrt auf die Stadt wurden die Folgen der verheerenden Hochwasserkatastrophe aus dem Herbst 2024 sichtbar. Viele Gebäude und Straßen sind noch immer von den Spuren der Überschwemmung gezeichnet. Kaum auszudenken, welche Herausforderungen die Menschen und Freunde in den zurückliegenden eineinhalb Jahren bewältigen mussten und teilweise immer noch bewältigen.

Umso herzlicher fiel daraufhin der Empfang aus. Zahlreiche Umarmungen, bewegende Wiedersehen und nicht wenige Freudentränen machten deutlich, dass sich in diesem Moment nicht einfach zwei Kommunen begegnen, sondern sich echte Freunde willkommen heißen. Im Anschluss ging es in einen ebenso malerischen wie prachtvollen Saal, in welchem der Bürgermeister von Głuchołazy, Herr Paweł Szymkowicz, die Delegation der VG Nieder-Olm begrüßte. Nach diesem offiziellen Empfang wurden die Reisenden entweder in ihre Gastfamilien begleitet oder in das Hotel gebracht.


Der Freitagmorgen führte die Reisegruppe zunächst in die tschechische Nachbargemeinde Mikulovice. Dort erhielten die Gäste Einblicke in die Geschichte der Region, insbesondere in die Zeit vor und nach dem Zweiten Weltkrieg. Anschließend stand ein Besuch der beeindruckenden Kirche des Heiligen St. Nikolaus auf dem Programm. Nach einer exklusiven Vorstellung des Gotteshauses durch den ansässigen Pfarrer endete der Besuch mit einem gemeinsamen Gebet.

Ein durchaus außergewöhnlicher Programmpunkt wartet anschließend in Zlaté Hory. Dort besichtigte die Gruppe einen Stollen, der heutzutage für die Speläotherapie genutzt wird; eine Heilmethode, bei der Patientinnen und Patienten die besondere Luft alter Stollen einatmen. Diese ist frei von Allergenen und Schadstoffen, hat eine konstante Luftfeuchtigkeit und enthält natürliche Aerosole, die die Atemwege reinigen und beruhigen können. So kommen Kinder und Jugendliche mit Asthma und Atemwegserkrankungen nach Zlaté Hory und verbringen dort sportliche Stunden unter Tage. Doch der Stollen besitzt noch eine weitere Besonderheit: eine außergewöhnliche Akustik. Dies ließ die Reisegruppe der VG natürlich nicht ungenutzt und kurzerhand erklang in einigen Metern Tiefe ein mehrstimmiges „Viel Glück und viel Segen“ zwischen den Felswänden. Eine Gesangseinlage, die manchem Chor alle Ehre gemacht hätte.

Im Anschluss an dieses Erlebnis ging es weiter nach Jeseník. Dort standen das historische Priessnitz Sanatorium sowie die Geschichte der Wasserheilkunde auf dem Programm. Die weitläufige Kuranlage und die beeindruckende Historie des Ortes vermittelten eindrucksvoll, weshalb die Region bis heute für „Gesundheit & Erholung“ bekannt ist. Am frühen Nachmittag wartete in Markowice ein weiterer Höhepunkt. Im Dorfgemeinschaftshaus hatte der örtliche Landfrauenverein ein traditionelles polnisches Menü vorbereitet. Mit großer Herzlichkeit und viel Liebe zum Detail wurden die Gäste bewirtet. Gastfreundschaft in ihrer schönsten Form.


Der Samstag und damit bereits vorletzte Tag der Reise begann mit einem Ausflug nach Nysa – dem „Rom Schlesiens“. Dort wurde zunächst eine Art Schatzkammer besichtigt, in der zahlreiche kunstvoll vergoldete sakrale Gegenstände ausgestellt sind. Viele dieser wertvollen Objekte waren in Kriegszeiten versteckt worden und wurden erst Jahrzehnte später wiederentdeckt. Anschließend beeindruckte die Basilika des Heiligen Jakobus und der Heiligen Agnes mit ihrer Größe und Geschichte, ehe mit dem Fort Nysa ein weiterer geschichtsträchtiger Ort auf dem Tagesprogramm stand. Die imposante Festungsanlage erinnert an die bewegte Vergangenheit Schlesiens und bot spannende Einblicke in die militärische Geschichte der Region. 

Nach der Rückkehr nach Głuchołazy am frühen Nachmittag blieb Zeit für Begegnungen mit den Gastfamilien, ehe am Abend der feierliche Höhepunkt der Reise bevorstand.

Der festliche Empfang im prunkvollen Ballsaal bot einen würdigen Rahmen für das 30-jährige Jubiläum der Partnerschaft. Kaum ein Ort hätte besser geeignet sein können, um auf drei Jahrzehnte gemeinsamer Geschichten zurückzublicken. Besonders erfreulich war die Anwesenheit aller Bürgermeister und Wegbegleiter, die die Partnerschaft in den vergangenen 30 Jahren mit aufgebaut, unterstützt und mit Leben gefüllt haben. In Reden und persönlichen Erinnerungen wurde deutlich, wie viele Freundschaften, Begegnungen und gemeinsame Erlebnisse aus dieser Partnerschaft entstanden sind.

Rolf Oesterlein, Vorsitzender des Partnerschaftskomitees der VG Nieder-Olm, erinnerte in seiner Ansprache an das Schillerdenkmal in Breslau und dessen bekannte Inschrift „Alle Menschen werden Brüder“. Kaum ein Satz beschreibe den Geist dieser Partnerschaft besser. Was einst mit einer kommunalen Vereinbarung begann, sei längst zu einer Verbindung zwischen Menschen geworden. Im Mittelpunkt des Abends stand dann die feierliche Erneuerung der Partnerschaft. Gemeinsam unterzeichneten Bürgermeister Ralph Spiegler für die Verbandsgemeinde Nieder-Olm und Bürgermeister Paweł Szymkowicz für Głuchołazy den im Anschluss verlesenen Partnerschaftsvertrag.

In seiner anschließenden Rede erinnerte Ralph Spiegler, der zum letzten Mal in seinem Amt als Bürgermeister der VG Nieder-Olm nach Głuchołazy reiste und seit 2006 Ehrenbürger der polnischen Partnergemeinde ist, noch einmal an die gemeinsamen Erlebnisse, aber auch an die Hochwasserkatastrophe 2024 sowie die große Hilfsbereitschaft aus der VG Nieder-Olm: „Ich bin stolz auf die Menschen in unserer Verbandsgemeinde. Als die Bilder der Überschwemmungen uns erreichten, wurde nicht gezögert. Die Menschen haben geholfen, weil Menschen und Freunde Hilfe brauchten. Genau das ist der Wert einer Partnerschaft, unserer Partnerschaft. Sie überwindet Grenzen, sie schafft Vertrauen und sie verbindet. Deutschland und Polen teilen sich eine schwierige, nicht immer von Verständigung geprägte Vergangenheit. Umso bemerkenswerter ist es, wenn Menschen den Mut aufbringen, sich zu begegnen, einander kennenzulernen und Freundschaften zu schließen. Frieden, Zusammenhalt und gegenseitiger Respekt werden zwar auf Papier festgehalten, doch sie werden manifestiert und gelebt durch Partnerschaften, wie die zwischen der Verbandsgemeinde Nieder-Olm und Głuchołazy.“

Im Anschluss an die Reden wurde bis spät in die Nacht gemeinsam gefeiert, getanzt und in Erinnerungen geschwelgt.


Am Sonntagmorgen hieß es schließlich Abschied nehmen. Nach zahlreichen Umarmungen, guten Wünschen für die Heimreise und der Mitgabe großzügig gepackter Verpflegungspakete setzte sich der Bus um 07:00 Uhr in Richtung Rheinhessen in Bewegung. Zur Freude aller Mitreisenden verlief auch die Rückfahrt reibungslos. Um 20:15 Uhr, pünktlich zum Tatort, bog der Bus auf den Parkplatz am Rheinhessen-Bad Nieder-Olm ein und die Reisegruppe kehrte mit vielen neuen Eindrücken, Erinnerungen und der Gewissheit, dass die Partnerschaft zwischen der VG Nieder-Olm und Głuchołazy auch nach 30 Jahren lebendiger denn je ist, zurück.