Abschiedsgruß von Bürgermeister Ralph Spiegler


Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

manche Erkenntnisse gewinnt man erst durch eigene Erfahrungen. Eine davon lautet: Man weiß nie, wohin ein einziges Ja einen führt. Als ich mich 1993 dazu entschlossen habe, für das Amt des Bürgermeisters zu kandidieren, war das eine Entscheidung mit vielen offenen Fragen. Dass daraus ein ebenso langer wie bedeutungsvoller Abschnitt meines Lebens werden würde und ich in der VG Nieder-Olm mein neues Zuhause finden würde, das konnte ich damals noch nicht ahnen.

Nun, am 10. August 2026 endet nach 32 Jahren meine Amtszeit als Bürgermeister der Verbandsgemeinde Nieder-Olm. Aus diesem Grund möchte ich diese Gelegenheit und Zeilen nutzen, mich zu bedanken und mich zu verabschieden. Wenn ich auf diese lange Zeit zurückblicke, sind es nicht einzelne Beschlüsse oder Projekte, die mir zuerst ins Gedächtnis kommen. Es sind vielmehr die Menschen, die vielen Gespräche, die Begegnungen auf Veranstaltungen, in Sitzungen oder auf Festen.

Mein Dank gilt deshalb zuerst den vielen Personen, die sich in unserer Verbandsgemeinde ehrenamtlich engagieren. In den Feuerwehren, beim Deutschen Roten Kreuz, der DLRG, in unseren Sport-, Musik- und Kulturvereinen, in den Kirchengemeinden und in den zahlreichen Initiativen vor Ort. Dieses Engagement ist das, was eine Gemeinschaft im Innersten zusammenhält. Es geschieht oft ohne große Worte, aber mit umso größerer Verlässlichkeit.

Ein besonderer Dank gilt auch den Mitarbeitenden der Ortsgemeinden sowie in der Verbandsgemeindeverwaltung. Vieles von dem, was nach außen selbstverständlich erscheint, ist das Ergebnis tagtäglichen Engagements sowie eines hohen Verantwortungsbewusstseins. Die Kolleginnen und Kollegen in den Rathäusern haben Abläufe sichergestellt, Herausforderungen gemeistert und mich während meiner Amtszeit mit großem Einsatz unterstützt. Für diese Verlässlichkeit und vertrauensvolle Zusammenarbeit danke ich von Herzen.

Danken möchte ich ebenso den Mitgliedern der Ortsgemeinderäte, des Verbandsgemeinderates, den Ortsbürgermeisterinnen und Ortsbürgermeistern sowie den Beigeordneten, die ich während meiner Amtszeit kennenlernen durfte. Etliches haben wir in den zurückliegenden 32 Jahren entschieden und verwirklicht. Kommunalpolitik lebt davon, dass man sich austauscht, dass man ringt und am Ende gemeinsam Verantwortung übernimmt. Es wurde diskutiert, manchmal auch hart, aber in der Regel mit dem Bewusstsein, dass wir am Ende für das große Ganze, unsere VG Nieder-Olm, Verantwortung tragen.

Ein Thema, das in meiner persönlichen Prioritätenliste immer ganz oben stand, waren die Finanzen. Sie waren für mich nie Selbstzweck, sondern stets die Grundlage für unsere kommunale Handlungsfähigkeit. Das Erreichen der Schuldenfreiheit war für mich ebenso Ziel wie Intention, um der Verbandsgemeinde die notwendigen Gestaltungsspielräume zu sichern. Dadurch wurden der Erhalt und der Ausbau unserer hervorragenden Infrastruktur ermöglicht, ohne finanzielle Abenteuer einzugehen. Gleichzeitig habe ich im Laufe der Jahre immer wieder erlebt, dass der eigentliche Reichtum einer Gemeinde nicht in Zahlen zu messen ist, sondern in dem, was die Bürgerinnen und Bürger im täglichen Miteinander entstehen lassen.

Daran anschließend erfüllt mich der inklusive Ansatz in unserer Verbandsgemeinde mit besonderem Stolz. Inklusion ist nicht als Projekt verstanden worden, sondern als Haltung. Es geht darum, niemanden aus dem Blick zu verlieren und die Möglichkeit der Teilhabe für jeden Einzelnen selbstverständlich zu denken. Eine starke Gemeinschaft lebt davon, dass Menschen einander mit Respekt begegnen, Unterschiede aushalten und bereit sind, aufeinander zuzugehen. Vielfalt ist eine Stärke, die unsere Gesellschaft, unsere Verbandsgemeinde Nieder-Olm, trägt.

Es ist mir daher ein besonderes Anliegen zu betonen, dass in unserer Gemeinschaft kein Raum für Rassismus, Ausgrenzung oder Hass sein darf. Grundlage unseres Zusammenlebens sollten stets Menschlichkeit und die Bereitschaft zum offenen Dialog sein. Umso stolzer bin ich, dass wir in unserer Verbandsgemeinde ein Miteinander leben, das anderen als Vorbild dienen kann. Das bereitet mir große Freude und Zuversicht.

Schon vor einiger Zeit bin ich über ein Zitat aus dem Talmud gestolpert, das mich seitdem nicht mehr loslässt: „Nicht das Amt ehrt den Mann, sondern der Mann ehrt das Amt.“ Ich habe stets versucht, danach zu handeln. Ob es mir gelungen ist, das mögen andere beurteilen. Aber ich weiß: Das Bürgermeisteramt hat es verdient, geehrt zu werden. Nirgendwo sonst begegnen sich Politik und Menschen so unmittelbar. Genau deswegen erlaube ich mir, das Amt des Bürgermeisters bei allem Respekt vor Ämtern und Mandaten auf „höheren“ Ebenen als Königsdisziplin der Politik zu bezeichnen. Die Arbeit beginnt morgens und endet abends an der eigenen Haustür. Und die täglichen Begegnungen mit den Menschen bilden einen starken Resonanzboden. Die positiven wie auch gelegentlich kritischen Anmerkungen der Menschen haben den wunderbaren Effekt, dass man geerdet bleibt.

Wie ich bereits in meinen Weihnachts- und Neujahrsgrüßen gesagt habe: Mit dem Ende meiner Amtszeit gebe ich zwar mein Amt ab, aber nicht mein offenes Ohr und schon gar nicht meine Verbundenheit zu dieser Verbandsgemeinde und den Bürgerinnen und Bürgern, die diese lebens- und liebenswert machen.

Ich wünsche meinem Nachfolger Dirk Hasenfuss und dem Rat der Verbandsgemeinde viel Erfolg, gutes Gelingen und ein glückliches Händchen bei bevorstehenden Entscheidungen.

Mein letzter und allergrößter Dank gilt meiner Familie, ganz besonders meiner Ehefrau und meinen beiden Töchtern. Ein Bürgermeisteramt endet nicht mit dem Feierabend. Es prägt den Alltag, fordert Zeit und oft auch den Verzicht auf gemeinsame Stunden. Vieles von dem, was ich in den vergangenen 32 Jahren für die Verbandsgemeinde leisten durfte, wäre ohne diese Unterstützung nicht möglich gewesen.

32 Jahre lang Verantwortung für die Verbandsgemeinde Nieder-Olm und ihre Bürgerinnen und Bürger tragen zu dürfen, hat mir stets große Freude bereitet. Ich schließe dieses Kapitel meines Lebens mit Wehmut, aber in dem Bewusstsein, wie viel mir diese Jahre gegeben haben.

Meine letzte Bitte an Sie: Bleiben Sie sich treu. Bleiben Sie im Gespräch miteinander. Und bleiben Sie dieser wunderbaren Verbandsgemeinde und den Menschen, die sie ausmachen, verbunden, so wie ich es bleiben werde.

Es war mir eine Ehre!


Ihr

Ralph Spiegler

Bürgermeister der Verbandsgemeinde Nieder-Olm